So gießt Du Deinen Indoor Grow richtig – pH-Wert, Wassermenge & Häufigkeit
Wasser ist Leben – das gilt natürlich auch für Deine Pflanzen in der Growbox. Also regelmäßig gießen, aber wie viel und wie oft, wann gieße ich am besten, und welches Wasser nehme ich dazu? Cannabis gießen wirkt im ersten Moment trivial – tatsächlich entscheidet die Bewässerung über mehr Erträge oder kaputte Wurzeln als jede andere Stellschraube im Indoor Grow. Diese Seite ist Dein vollständiger Praxis-Ratgeber: vom klassischen Hand-Gießen über die Growbox-Bewässerung per AutoPot bis zu Osmosewasser, Leitungswasser, BioBizz-Düngung beim Gießen und Sonderfällen wie Tropfsystemen oder Hydro/DWC.
Eine alte Growshop-Regel. Staunässe im Wurzelraum ist gefährlicher als gelegentliche Trockenheit. Lieber eine Spur zu wenig als zu viel – die Pflanze sagt Dir schnell, wenn sie Durst hat.
Wie viel gießen?
Die wichtigste Frage beim Gießen ist die Häufigkeit der Bewässerung und die richtige Menge an Wasser. Natürlich soll Dein Grow nicht austrocknen, doch Staunässe im Wurzelbereich ist hier fast noch gefährlicher. Überwässerte Pflanzen wirken paradoxerweise wie unterwässerte – beide hängen schlapp herum, weil die Wurzeln im einen Fall ersticken, im anderen Fall vertrocknen.
Als Grundregel gilt: Die Erde sollte immer feucht, aber nie nass sein. Du erkennst das gut am Gewicht der Töpfe. Eine wichtige Rolle spielt auch die Temperatur in Deiner Growbox. In einer heißen Umgebung brauchen die Pflanzen mehr Wasser, weil ein großer Teil durch Verdunstung über die Blätter wieder ausgeschieden wird. (Bei starker Verdunstung benötigen die Pflanzen übrigens auch weniger Dünger – die EC-Konzentration im Topf steigt durch Verdunstung automatisch an.)
Andere wichtige Einflussfaktoren sind die Größe der Pflanze und ihr Entwicklungsstadium (Keimling, Wachstum, Blüte), die Größe der Töpfe, die Du verwendest, die Luftfeuchtigkeit in der Box (hohe rH = weniger Bedarf), der Substrattyp (Coco trocknet schneller als Erde, Stofftöpfe schneller als Plastiktöpfe) sowie der Wurzelraum-Durchwuchs. Ein voll durchwurzelter 11-Liter-Topf in der Mittel-Blüte braucht schnell das 3–4-fache an Wasser eines frisch eingetopften Setzlings.

Gieß-Rechner: Wie viel Wasser pro Gießvorgang?
Die bewährte 1/3-Regel: pro Gießvorgang etwa ein Drittel des Topfvolumens. Gib Topfgröße und Pflanzenzahl ein – der Rechner zeigt Dir Gießmenge und Drain-Ziel.
Die Topfgewicht-Methode
Die einfachste Methode, um den richtigen Gießzeitpunkt zu finden: Topfgewicht spüren. Statt nach Tagen oder Stunden zu gehen, lernst Du Deine Pflanzen lesen.
- Direkt nach dem Gießen: Topf einmal anheben – Du fühlst sein „nass"-Gewicht.
- Nach 2–3 Tagen wieder anheben – Du fühlst, wie viel leichter er geworden ist.
- Gegossen wird, wenn der Topf spürbar leicht ist – aber bevor die Pflanze schlappe Blätter zeigt.
- Bei Erde: oberste 2–3 cm dürfen ruhig trocken sein. Erst dann gießen.
- Bei Coco: gleichmäßig feucht halten, nie ganz austrocknen lassen – Coco hat keine Reserven wie Erde.
Ein wertvoller Nebeneffekt: Du trainierst Dein Bauchgefühl. Nach ein paar Wochen reicht ein kurzes Anheben, um zu wissen „kann noch einen Tag warten" oder „muss heute". Das ist die wichtigste Skill, die ein Indoor-Grower entwickelt – und sie spart Dir später teure Probleme.
Wasserbedarf nach Wachstumsphase
Der Wasserbedarf wächst mit der Pflanze. So sind die Richtwerte:
Diese Werte sind grobe Anhaltspunkte für eine mittlere Pflanze im 11-Liter-Topf in einer 100×100-cm-Box. Größere Pflanzen, heißere Boxen und durchwurzelte Töpfe brauchen entsprechend mehr. In einer 120×120-Box mit 4 Pflanzen à 15 L kann der tägliche Wasserbedarf in der Spät-Blüte locker auf 5–7 Liter steigen – pro Tag, nicht pro Woche.
| Phase | Tagesbedarf 11-L-Topf | Bedarf 15-L-Topf | EC Düngung |
|---|---|---|---|
| Keimung (Woche 1) | 20–50 ml | 20–50 ml | 0,4 mS |
| Sämling (Woche 2–3) | 100–200 ml | 100–250 ml | 0,6 mS |
| Vegetativ früh | 300–500 ml | 400–700 ml | 1,0–1,2 mS |
| Vegetativ spät | 500–800 ml | 700 ml–1,2 L | 1,2–1,4 mS |
| Blüte Streckung | 800 ml–1,2 L | 1,2–1,8 L | 1,4–1,6 mS |
| Blüte Massephase | 1,0–1,5 L | 1,5–2,0 L | 1,6–1,8 mS |
| Spätblüte / Flush | 0,5–1,0 L | 0,8–1,4 L | 0,0 mS (reines Wasser) |
Wann gießen – morgens oder abends?
Gieße am besten am Anfang der Hellphase, also direkt nachdem das Licht angegangen ist. Dann hat die Pflanze den ganzen Tag, um das Wasser aufzunehmen und durch die Blätter zu verdunsten. Wer abends gießt, riskiert dass das Wasser über Nacht im Substrat steht – das fördert Wurzelfäule, gerade wenn die Boxtemperatur im Dunkelzyklus deutlich absinkt.
Bei mehrtägigen Abwesenheiten lohnt sich eine automatische Growbox-Bewässerung wie das AutoPot easy2grow. Die Pflanzen ziehen sich das Wasser über ein Schwimmerventil selbst aus dem Tank – ganz ohne Pumpe, ohne Strom, ohne Timer. Mehr dazu im Abschnitt „Sonderfälle: AutoPot, Tropfbewässerung, Hydro/DWC" weiter unten.
Welches Wasser zum Gießen?
In Deutschland kannst Du in der Regel Leitungswasser verwenden – idealerweise 24 Stunden offen abstehen lassen, damit das Chlor entweichen kann. Wichtig sind drei Werte:
- pH-Wert: für Erde 6,0–7,0, für Coco 5,8–6,3. Mit pH-Korrekturlösungen anpassen.
- EC-Wert (Leitungswasser): 0,3–0,6 mS/cm. Über 0,8 wird's knapp – dann ggf. mit Osmosewasser mischen.
- Temperatur: Raumtemperatur (18–22 °C). Kaltes Wasser schockt die Wurzeln.
Sehr hartes Leitungswasser kann den EC-Spielraum für Dünger einschränken. In Gegenden mit hartem Wasser lohnt sich eine Osmoseanlage oder zumindest ein Mix aus Leitungs- und Osmosewasser. Welche Strategie für Deine Region wirklich passt, klären wir gleich im nächsten Abschnitt im Detail.
pH-Wert im Gießwasser – warum er bei Cannabis alles entscheidet
Der pH-Wert bestimmt, welche Nährstoffe Deine Cannabispflanze aus dem Substrat aufnehmen kann. Liegt er außerhalb des Optimum-Fensters, hilft selbst der teuerste Dünger nichts – klassische „Mangel"-Symptome sind in 80 % der Fälle in Wirklichkeit ein pH-Problem.
| Substrat | Ziel-pH (Gießwasser) | Toleranz | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Erde / Soil | 6,2 – 6,8 | 6,0 – 7,0 | Mikroorganismen puffern leicht – etwas Spielraum. |
| Coco / Cocos | 5,8 – 6,2 | 5,5 – 6,3 | Sehr empfindlich – täglich messen. |
| Hydro / DWC | 5,5 – 6,0 | 5,5 – 6,2 | Kein Puffer im Wasser – pH täglich kontrollieren. |
| AutoPot / SIPS | 6,0 – 6,5 | 5,8 – 6,8 | Tank wöchentlich neu mischen & messen. |
So passt Du den pH-Wert richtig an
- Wasser vorbereiten: Leitungs- oder Osmosewasser auf Raumtemperatur (18–22 °C) abstehen lassen.
- Dünger zuerst einrühren: Dünger verschiebt den pH-Wert stark – deshalb nach dem Düngen messen, nicht davor.
- Messen mit kalibriertem pH-Meter: Teststreifen sind zu ungenau. Ein Bluelab Combo Meter misst pH und EC gleichzeitig.
- Korrigieren: Mit pH-Down (Phosphorsäure) absenken oder pH-Up (Kaliumhydroxid) anheben – tröpfchenweise, dann rühren & nachmessen.
- Kalibrieren: pH-Messgerät alle 4–6 Wochen mit pH-4- und pH-7-Eichlösung nachjustieren – sonst misst Du Phantasiewerte.
Tiefer in pH-Messung, Kalibrierung und Korrektur gehen wir im separaten Ratgeber pH-Wert messen und korrigieren.
Wasserqualität – Osmosewasser ja oder nein?
Die Frage „osmosewasser grow oder leitungswasser grow" ist eine der am häufigsten gestellten im Indoor-Bereich – und es gibt keine pauschale Antwort. Entscheidend ist Deine lokale Wasserhärte und der EC-Wert Deines Leitungswassers. So gehst Du sauber vor:

Wann reicht Leitungswasser?
Wenn Dein Leitungswasser eine Härte zwischen 8 und 14 °dH aufweist und der EC bei 0,3–0,6 mS/cm liegt, kannst Du es bedenkenlos nutzen. Das ist sogar besser als reines Osmosewasser, denn das enthaltene Calcium und Magnesium sind kostenlose Mikronährstoffe, die Du sonst extra über Cal-Mag-Zusätze ergänzen müsstest. Ein klassischer Anfänger-Fehler: aus Vorsicht reines Osmosewasser nutzen und dann Cal-Mag-Mangel produzieren.
Wann brauchst Du Osmose?
Sobald die Härte über 16 °dH klettert oder der EC über 0,8 mS/cm liegt, wird es eng: Du beginnst mit einem hohen Grund-EC und hast kaum noch Spielraum für die Dünger-EC. In der Spät-Blüte (Ziel-EC 1,8–2,2 mS) würdest Du regelmäßig die Toleranz Deiner Pflanze überschreiten – Salzstress, Blattspitzen-Verbrennung, mehr Drain nötig, weniger Ertrag.
| Wasserhärte | EC Leitungswasser | Empfehlung | Mix-Verhältnis |
|---|---|---|---|
| Weich (< 8 °dH) | < 0,3 mS | Leitung pur, Cal-Mag ergänzen | 100 % Leitung |
| Mittel (8–14 °dH) | 0,3–0,6 mS | Leitung pur, ideal | 100 % Leitung |
| Hart (14–16 °dH) | 0,6–0,8 mS | Leitung mit Osmose strecken | 50/50 Mix |
| Sehr hart (16–21 °dH) | 0,8–1,1 mS | Mehrheitlich Osmose | 30 % Leitung / 70 % Osmose |
| Extrem hart (> 21 °dH) | > 1,1 mS | Reines Osmose, Cal-Mag ergänzen | 100 % Osmose + Cal-Mag |
Die Mix-Strategie (50 % Osmose + 50 % Leitung)
Für die meisten Grower mit hartem Wasser ist ein 50/50-Mix der beste Kompromiss: Du halbierst die Härte und den Grund-EC, behältst aber genug Calcium und Magnesium aus dem Leitungswasser, sodass Du kein extra Cal-Mag brauchst. Ergebnis: typischer Misch-EC um 0,3–0,4 mS/cm – perfekte Basis für jede Düngestrategie.
Kosten-Nutzen: Osmoseanlage vs. Wasser kaufen
Eine 4-stufige Umkehrosmose-Anlage kostet rund 120–180 € einmalig und liefert je nach Modell 150–300 Liter pro Tag. Filterwechsel ca. 40–60 € pro Jahr. Demgegenüber kostet abgefülltes destilliertes Wasser im 5-Liter-Kanister ca. 1,20 € – also rund 0,24 €/Liter. Für einen mittleren 100×100-Grow brauchst Du in 12 Wochen rund 300–500 Liter Wasser. Damit amortisiert sich die Anlage typisch nach dem zweiten Grow.
Düngen beim Gießen – die richtige Reihenfolge
Düngen beim Gießen wirkt simpel: Pulver oder Flüssigkeit ins Wasser, fertig. In der Praxis entscheiden aber 5 sauber ausgeführte Schritte darüber, ob die Pflanze die Nährstoffe aufnehmen kann oder ob Du Dir Ausfällungen, falschen pH und blockierte Aufnahme einhandelst. Die Reihenfolge ist immer dieselbe – egal ob klassischer Mineraldünger oder bio-organisch.
- Wasser auf Raumtemperatur bringen. Idealerweise 18–22 °C. Kaltes Wasser löst Salze schlecht und schockt die Wurzeln. Tipp: am Vorabend die Gießkanne neben die Box stellen.
- Dünger der Reihe nach zugeben. Bei Mehrkomponenten-Düngern (z. B. Canna A + B, BioBizz, Hesi) immer einzeln zugeben und nach jedem Bestandteil kurz umrühren. Sonst können sich die hochkonzentrierten Salze gegenseitig ausfällen (sichtbar als Trübung oder Bodensatz).
- Gut mischen. 30–60 Sekunden rühren, bei Bio-Düngern wie BioBizz auch länger – die organischen Bestandteile brauchen Zeit zum Hydratisieren.
- pH messen und korrigieren. Dünger verschiebt den pH spürbar (meist nach unten). Mit pH-Up / pH-Down tropfenweise korrigieren, bis Ziel-pH erreicht ist. Bei jeder Korrektur kurz rühren und neu messen.
- Final EC messen. Liegt der EC im Ziel-Bereich der aktuellen Phase (siehe Tabelle oben)? Falls zu hoch, mit reinem Wasser strecken; falls zu niedrig, etwas Dünger nachgeben. Dann gießen.
| Düngerlinie | Reihenfolge | Bemerkung |
|---|---|---|
| Canna Terra Vega/Flores | 1 Komponente, direkt rein | Einfach, fehlerunkritisch |
| Canna Coco A + B | 1) A einrühren 2) B einrühren | Niemals A+B konzentriert mischen → fällt aus |
| Hesi TNT / Blüte-Komplex | 1 Komponente + ggf. Boost | Boost als zweites zugeben |
| BioBizz Bio-Grow / Bio-Bloom | 1) Bio-Grow 2) Bio-Bloom 3) Top-Max 4) Fish-Mix | Reihenfolge nach Bestandteilen, lange rühren |
| Plagron Terra Grow + Bloom | 1) Grow 2) Bloom | Standard Bio-Mineral, robust |
| Advanced Nutrients A+B+C | 1) Micro 2) Grow 3) Bloom | Immer Micro zuerst – sonst Calcium-Fällung |
Bio-Düngung beim Gießen mit BioBizz
BioBizz ist eine der populärsten Bio-Marken im deutschen Markt – nicht zufällig: Die Linie verzeiht Dosierfehler deutlich besser als Mineraldünger, weil die Nährstoffe an organische Träger gebunden sind und nur langsam von Bodenmikroben freigesetzt werden. Für die Grundversorgung in Erde reichen Bio-Grow (Wuchs) und Bio-Bloom (Blüte). Ergänzend kommen Top-Max (Huminsäuren in der Spät-Blüte) und Fish-Mix (Stickstoff-Boost für hungrige Pflanzen).
Bei Bio-Düngung beim Gießen drei Besonderheiten beachten:
- pH spielt eine kleinere Rolle – Bodenmikroben puffern den Wurzelraum selbst auf 6,3–6,8. Trotzdem im Bereich 6,2–6,8 ansetzen.
- EC wird oft unterschätzt – Bio-Dünger liefern niedrigere EC-Werte als Mineral. 1,2 mS/cm fühlt sich „dünn" an, ist aber bio-typisch korrekt.
- Nicht zu lange vor-mischen – Bio-Lösungen fangen nach 1–2 Tagen an zu gären. Immer frisch ansetzen und im selben Gießgang verbrauchen.
Über- oder Unterwässerung erkennen

| Symptom | Überwässerung | Unterwässerung |
|---|---|---|
| Blätter | hängend, aber prall, dunkelgrün | schlaff, weich, leicht eingerollt |
| Substrat | dauerhaft nass, schwer | staubtrocken, leicht |
| Wachstum | stagniert | stagniert |
| Geruch | muffig (Wurzelfäule) | normal |
| Lösung | Topf abtropfen lassen, weniger gießen | sofort gießen, dann Rhythmus anpassen |
Topfwahl beeinflusst den Wasserbedarf
Der Topftyp hat großen Einfluss auf Wasserbedarf und Häufigkeit. Wer den falschen Topf wählt, gießt entweder ständig oder kämpft mit Staunässe:
- Plastiktöpfe (Standard, eckig oder rund): halten Wasser sehr lange, günstig, leicht zu reinigen. Ideal für Einsteiger und für Setups, in denen Du nicht täglich gießen willst. Nachteil: Wurzeln kreisen am Topfrand („Root-Circling") und der Wurzelballen wird im unteren Bereich oft anaerob.
- Stofftöpfe / Smart Pots: luftdurchlässige Vlies-Wände, Wurzeln werden bei Kontakt mit der Luft natürlich „luftgeschnitten" (Air-Pruning) und treiben neue Seitenwurzeln. Ergebnis: dichtere Wurzelmasse, schnelleres Wachstum. Nachteil: deutlich höherer Wasserbedarf (oft täglich gießen), und unter dem Topf bleibt Drainage zurück – Untersetzer mit Roste sind Pflicht.
- Airpots (z. B. Airpot 12,5 L): spezielles Lochsystem aus konischen Noppen sorgt für Air-Pruning an den Seitenwänden. Etwas teurer als Stoff, aber langlebig und wiederverwendbar. Wasserbedarf liegt zwischen Plastik und Stoff.
- AutoPot-Systeme: Schwimmerventil dosiert automatisch – Pflanze trinkt nach Bedarf, Du füllst nur den Tank nach. Für mehr Details siehe nächster Abschnitt.
| Topftyp | Wasserbedarf | Gießfrequenz Blüte | Wurzelqualität | Preis 11 L |
|---|---|---|---|---|
| Plastik rund | niedrig | alle 2 Tage | durchschnittlich | 1–3 € |
| Plastik eckig | niedrig | alle 2 Tage | durchschnittlich | 2–4 € |
| Stofftopf / Smart Pot | hoch | täglich | sehr gut | 4–8 € |
| Airpot | mittel-hoch | täglich | sehr gut | 8–14 € |
| AutoPot 8,5 L | durchgehend | automatisch | gut (bei richtigem Substrat) | 20–25 € (Set) |
Sonderfälle: AutoPot, Tropfbewässerung, Hydro/DWC
Wer den Gießeimer in den Schrank stellen will, hat heute drei ausgereifte Alternativen zur Hand-Bewässerung. Jede mit eigenem Charakter und eigenen Tücken.

AutoPot – die schlauloseste Lösung
Ein AutoPot easy2grow Set besteht aus 8,5-Liter-Töpfen, die in eigene Trays (Untertöpfe) gestellt werden. Im Tray sitzt ein Schwimmerventil (AquaValve), das aus einem oberen Wassertank (z. B. FlexiTank 400 L) per Schwerkraft versorgt wird. Der Tank muss 30–50 cm höher stehen als die Trays, sonst funktioniert die Schwerkraft-Dosierung nicht.
Funktionsweise: Solange noch Wasser im Tray steht, ist das Ventil geschlossen. Hat die Pflanze alles aufgenommen (Tray trocken), öffnet das Schwimmerventil wieder und lässt frisches Wasser nach. Ergebnis: Pflanze trinkt genau so viel, wie sie braucht. Kein Timer, keine Pumpe, kein Strom – wartungsfrei für 2–4 Wochen am Stück möglich.
Wichtig bei AutoPot:
- Substrat-Mix: 60 % Erde/Coco + 40 % Perlit. Sonst staut sich Wasser im Topfboden.
- Erst nach 1–2 Wochen klassischem Gießen ans AutoPot anschließen – die Wurzeln müssen runter ins Tray finden.
- Düngung läuft über den Tank-Inhalt mit – das heißt, der gesamte Tank wird gedüngt. Lieber etwas niedriger dosieren (z. B. EC 1,2 statt 1,6 mS/cm).
- 1× pro Woche das Ventil prüfen (kann verschlammen, gerade bei Bio-Dünger wie BioBizz).
Tropfbewässerung – Profi-Variante mit Timer
Bei einer Tropfbewässerung versorgt eine Pumpe per Timer einzelne Tropfer in jedem Topf. Vorteil: präzise Dosierung pro Stunde möglich (z. B. 200 ml in 4 Schüben à 50 ml über den Tag verteilt). Die Pflanze bekommt nie zu viel auf einmal, das Substrat bleibt gleichmäßig feucht.
Dimensionierung: pro Pflanze rechnet man mit 2–4 L Tank-Reserve pro Tag. Ein 100 L Tank reicht damit für 4 Pflanzen rund 1 Woche. Filter am Pumpenansaug ist Pflicht, sonst verstopfen die Tropfer.
Hydro / DWC – ohne Substrat, ohne Gießen
Im Deep Water Culture (DWC) hängt die Pflanze mit den Wurzeln direkt in einer belüfteten Nährlösung. Es gibt kein Substrat, das Wasser speichert – statt zu gießen, wechselst Du alle 1–2 Wochen die komplette Tank-Lösung. Dafür ist der Sauerstoffeintrag entscheidend: ein Membran-Luftpumpen-Set mit Ausströmerstein muss rund um die Uhr laufen, sonst ersticken die Wurzeln innerhalb von Stunden.
| System | Aufwand Setup | Aufwand laufend | Wasserbedarf | Risiko Ausfall | Eignung |
|---|---|---|---|---|---|
| Hand-Gießen | niedrig | hoch (täglich) | kontrolliert | niedrig | Einsteiger, kleine Grows |
| AutoPot | mittel | sehr niedrig | bedarfsgerecht | niedrig | Urlaub, 2–8 Pflanzen |
| Tropfbewässerung | mittel-hoch | niedrig | präzise | mittel (Pumpe, Timer) | Profi, größere Grows |
| DWC / Hydro | hoch | mittel | höchster Ertrag | hoch (Sauerstoff, pH-Drift) | Fortgeschrittene |
Drain-Gießen und Flushen vor der Ernte
Zwei Spezial-Techniken, die jeder Grower kennen sollte:
Drain-Gießen (mit kontrolliertem Überschuss)
Bei jedem Gießen sollte ein kleiner Wasserüberschuss aus den Drainagelöchern austreten. Diese „Drain" hat zwei Funktionen: Sie spült angesammelte Salze aus dem Substrat und sie zeigt Dir den tatsächlichen EC im Wurzelraum. Faustregel: 10–20 % der zugegebenen Menge sollten als Drain ablaufen. Mehr ist Verschwendung, weniger lässt Salze ansammeln.
Flushen vor der Ernte
In den letzten 1–2 Wochen vor der Ernte wird mit reinem (pH-angepasstem) Wasser ohne Dünger gegossen. Das spült gespeicherte Nährsalze aus den Pflanzen und verbessert Geschmack und Asche-Reinheit der Ernte. Solange flushen, bis der EC im Drain unter 50 ppm (≈ 0,1 mS/cm) liegt – das ist der Indikator, dass die Nährsalze aus dem Substrat draußen sind.
Run-off / Drain richtig nutzen
Das Drainagewasser – kurz „Run-off" oder „Drain" – ist die ehrlichste Auskunft, die Dir Deine Pflanze gibt. Wer es ignoriert, gießt blind. Wer es misst, sieht in den Wurzelraum hinein. Drei Werte sind wichtig:
Wie viel Drain ist richtig?
10–20 % der zugegebenen Wassermenge sind der Sweet-Spot. Bei 1 Liter Input also 100–200 ml Drain. Weniger ist kritisch (Salze stauen sich), mehr ist Verschwendung und kann auf zu lockeres Substrat hinweisen, das Wasser direkt durchspült ohne den Wurzelballen zu durchfeuchten.
Drain-EC interpretieren
Vergleiche den EC Deines Inputs mit dem Drain-EC. So liest Du das Ergebnis:
| Verhältnis Drain-EC zu Input-EC | Bedeutung | Maßnahme |
|---|---|---|
| Drain ≈ Input (±0,1 mS) | Alles im Gleichgewicht | Weiter so |
| Drain > Input + 0,3 mS | Salze akkumulieren im Substrat | Mehr Drain (20–30 %), nächste Düngung niedriger |
| Drain > Input + 0,8 mS | Akute Übersalzung | Sofort kräftig spülen, 50 % Drain, dann reduziert weiter |
| Drain < Input − 0,3 mS | Pflanze frisst stark, EC zu niedrig | Düngung leicht erhöhen |
| Drain < Input − 0,8 mS | Substrat ausgehungert | Düngung sofort erhöhen, ggf. mehrere Gießgänge |
Drain-pH interpretieren
Beim pH-Wert gilt: Eine kleine Abweichung von ±0,3 ist normal (Substrat puffert leicht). Wird die Abweichung größer als 0,5, hast Du ein Substrat-pH-Problem:
- Drain-pH deutlich niedriger als Input: Substrat versauert. Tritt häufig bei Coco mit hartem Wasser auf. Mit pH-Up im Gießwasser über mehrere Tage langsam korrigieren.
- Drain-pH deutlich höher als Input: Substrat ist alkalisch geworden. Kommt vor bei kalkhaltigem Wasser plus organischer Düngung. Gegen-Strategie: pH des Gießwassers etwas tiefer ansetzen (z. B. auf 5,8 statt 6,3) und mehr Drain produzieren.
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Jetzt Beratung anfragenHäufige Fragen zum Gießen
Wie oft muss ich meinen Indoor Grow gießen?
Das hängt von Pflanzenphase, Topfgröße und Temperatur ab. Faustregel: Topf anheben und am Gewicht beurteilen. Bei mittleren Pflanzen in der Blüte meist täglich, im Wuchs alle 1–2 Tage, beim Sämling alle 2–3 Tage. Stofftöpfe und Airpots brauchen tendenziell täglich, Plastiktöpfe alle 2 Tage.
Wie viel Wasser pro Pflanze?
Richtwerte für eine mittlere Pflanze im 11-Liter-Topf: Keimling 50 ml, Wuchsphase 200–500 ml, Blütephase 0,5–1,5 Liter pro Gießgang. In der letzten Blütewoche bewusst weniger. In 15-L-Töpfen entsprechend mehr (bis 2 L in der Spät-Blüte). Mit dem Gieß-Rechner oben bekommst Du den Wert für Deine Topfgröße auf Knopfdruck.
Was ist die 1/3-Regel beim Cannabis-Gießen?
Pro Gießvorgang ca. 1/3 des Topfvolumens an Wasser geben (z. B. 2 L bei einem 6-L-Topf) und 10–20 % als Drain (Ablauf) ansammeln. Das verhindert Salzaufbau im Substrat und stellt sicher, dass die Wurzeln gleichmäßig durchnässt werden, ohne dass Staunässe entsteht.
Welcher pH-Wert für Cannabis-Gießwasser?
Für Erde 6,2–6,8, für Coco 5,8–6,2, für Hydro/DWC 5,5–6,0, für AutoPot 6,0–6,5. Immer nach dem Düngen messen, weil Dünger den pH-Wert spürbar verschiebt. Mit pH-Down oder pH-Up tröpfchenweise korrigieren.
Welches Wasser zum Cannabis gießen?
Leitungswasser ist okay, wenn der EC ≤ 0,6 mS/cm und die Härte ≤ 14 °dH liegt – Calcium und Magnesium sind sogar gratis Mikronährstoffe. Bei härterem Wasser (≥ 16 °dH oder EC ≥ 0,8) auf Osmosewasser oder eine Mischung umsteigen. Reines Osmosewasser muss mit Cal-Mag ergänzt werden.
Wann gieße ich am besten – morgens oder abends?
Am besten am Anfang der Hellphase, direkt nachdem das Licht angeht. Die Pflanze hat dann den ganzen Tag, um das Wasser aufzunehmen. Abends gegossenes Wasser steht über Nacht im Substrat und fördert Wurzelfäule.
Brauche ich für meinen Indoor Grow Osmosewasser?
Nicht zwingend. Bei Leitungswasser mit Härte 8–14 °dH und EC unter 0,6 mS/cm reicht Leitungswasser – sogar besser, weil enthaltenes Calcium und Magnesium kostenlose Mikronährstoffe sind. Erst ab Härte über 16 °dH oder EC über 0,8 mS/cm lohnt sich eine Osmoseanlage oder ein 50/50-Mix mit Osmosewasser.
Lohnt sich eine Osmoseanlage finanziell?
Ja, in der Regel ab dem zweiten Grow. Eine 4-stufige Anlage kostet rund 120–180 € einmalig, Filterwechsel 40–60 € pro Jahr. Demgegenüber kostet abgefülltes destilliertes Wasser rund 0,24 €/Liter. Für einen 100×100-Grow brauchst Du 300–500 Liter Wasser pro Zyklus – die Anlage amortisiert sich schnell.
In welcher Reihenfolge gebe ich beim Düngen die Komponenten zu?
Immer: 1) Wasser auf Raumtemperatur, 2) Dünger einzeln zugeben (bei A+B-Düngern erst A, dann B – nie konzentriert mischen, sonst Ausfällung), 3) gut mischen, 4) pH messen und korrigieren, 5) final EC messen. Bei Mehrkomponenten-Linien wie BioBizz Bio-Grow + Bio-Bloom + Top-Max nacheinander zugeben und jeweils kurz rühren.
Wie funktioniert eine AutoPot-Bewässerung?
AutoPot arbeitet ohne Strom und Pumpe: Ein Schwimmerventil (AquaValve) im Untertopf hält das Wasserlevel konstant. Sobald die Pflanze alles aufgenommen hat, öffnet das Ventil und lässt aus einem höher gestellten Tank per Schwerkraft frisches Wasser nach. Wartungsfrei für 2–4 Wochen. Wichtig: Substrat mit 40 % Perlit mischen und Tank 30–50 cm höher stellen.
Wie erkenne ich, dass ich zu viel gegossen habe?
Hängende Blätter trotz feuchtem Substrat, muffiger Geruch, stagnierendes Wachstum. Wichtig: hängende Blätter bei trockenem Substrat sind Unterwässerung – dann sofort gießen. Bei Überwässerung Topf zum Trocknen anheben, Luft an die Topfunterseite lassen.
Was sagt mir der Drain (Run-off) meiner Pflanze?
Der Drain sollte 10–20 % der zugegebenen Wassermenge betragen. EC-Vergleich Input/Drain: gleiche Werte = Balance. Drain deutlich höher (>0,3 mS) = Salze akkumulieren, mehr Drain produzieren und Düngung reduzieren. Drain deutlich niedriger = Pflanze frisst stark, Düngung erhöhen. pH-Abweichung im Drain >0,5 zeigt ein Substrat-pH-Problem an.
Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
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